Appel à candidatures - Promotion 2015

L’Institut français des relations internationales (Ifri), la Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) et la Fondation Robert Bosch ont le plaisir de lancer le neuvième appel à candidatures du « Dialogue d’avenir franco-allemand ».

Le projet se rendra en 2015 en Grande-Bretagne. Le projet souhaite réunir des jeunes cadres et doctorants en sciences sociales et humaines, économie, droit et sciences exactes de la France et de l’Allemagne.

Date limite de dépôt des dossiers : 31 janvier 2015

Appel à candidatures + Formulaire de candidature

Deutschland, Frankreich und Europa 25 Jahre nach dem Mauerfall

Bei einer gemeinsamen Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, des Institut français und der Französischen Botschaft in Berlin am 6.11.2014 ging Hubert Védrine, Außenminister Frankreichs von 1997 bis 2002 im Kabinett von Premierminister Lionel Jospin unter Präsident Jacques Chirac, bei einer Matinée in der Französischen Botschaft mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Deutsch-französischen Zukunftsdialogs auf die Entwicklung der deutsch-französischen Beziehungen seit dem Mauerfall ein.

Kein Anlass, Deutschland Vorwürfe zu machen

Die politische Elite und die Bevölkerung hierzulande haben die Neuordnung Deutschlands und Europas erfolgreich gemeistert. Die immer wieder geäußerte Kritik an Deutschland, es sei durch die Wiedervereinigung politisch und ökonomisch zu stark geworden, sei weder logisch noch angebracht, so Védrine.

Frankreich habe, unabhängig von der deutschen Wiedervereinigung und im Gegensatz zum Nachbarn, die letzten 25 Jahre nicht genutzt, um nötige Reformen umzusetzen und die ausufernden Kosten des Wohlfahrtstaates zu reduzieren. Gleichzeitig sei die Debatte zu Investitionen legitim, da die derzeitigen wirtschaftlichen Probleme nicht losgelöst von dieser Frage betrachtet werden können.

Mehr Gelassenheit in der Debatte zur Rolle Deutschlands und Frankreichs in Europa

Nicht nur das Ende der Einteilung Europas in Ost und West, auch die Entwicklung gemeinsamer Lösungsansätze zu den zahlreichen aktuellen internationalen Konflikten bedingten eine deutsch-französische Kooperation. Man müsse aber feststellen, dass sich das Gleichgewicht seit 1990 zu Gunsten Deutschlands verschoben habe. Außerdem sei die Partnerschaft um andere Kooperationen erweitert worden, sodass die Metapher vom deutsch-französischen "Paar" nicht mehr passe.

Während der Jahre des Umbruchs hätten die Meinungsverschiedenheiten stets zu konstruktiven Lösungen geführt. So sei Staatspräsident Mitterands Drängen – trotz medialer Opposition in Deutschland und bevorstehender Wahlen im März 1990 –, dass Deutschland die Oder-Neiße-Grenze anerkennen sollte, lobenswert und könne noch heute als Beispiel für offene Diskussionen dienen.

Den Graben zwischen europäischer Elite und Bevölkerung durch mehr Subsidiarität schließen

Aus einer persönlichen Sicht kritisierte Védrine den Ansatz, die alleinige Zukunftsvision in einer sich vertiefenden Integration der Europäischen Integration zu sehen. Dies könne nicht funktionieren, da die Bürger nicht mitzögen, wenn sie den Eindruck hätten, die Volkssouveränität könnte gefährdet sein. Védrine nannte die häufig als euroskeptisch dargestellten Parteien wie Front National, UKIP oder AfD europafeindliche Parteien, die besorgniserregenden Zuwachs verzeichneten. Dass sie Mehrheit der EU-Bürger bei den Europawahlen Nicht-Wähler waren, zeige zudem, dass nur noch eine in den Medien dominante Elite bedingungslos mehr Integration befürworte. Die Bürger könnten erst dann wieder wirklich erreicht werden, wenn die Parteien ihren Europa-Diskurs ändern würden.

Lösungsansätze, um die europäische Idee neu zu definieren, seien die Akzeptanz des Nationalstaats, sowie mehr Subsidiarität und die Stärkung der nationalen Parlamente. Außerdem warnte Védrine vor einem historischen Fehler, all denjenigen, die nicht für mehr Integration seien, Nationalismus zu unterstellen.

Ein Europa der Diversität

Besonders bei gemeinsamen europäischen Militäreinsätzen erwarteten die Partner ein verstärktes deutsches Engagement, auch wenn derzeit durch die verschiedenen Interessen keine gemeinsame europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik zu erwarten sei und der westliche Interventionismus nicht mehr funktioniere. Zu dringenden außenpolitischen Fragen müssten sich nicht unbedingt Deutschland und Frankreich, sondern die zwei EU-Länder mit den unterschiedlichsten Ansätzen auf einen Nenner einigen, um den Partnern einen Kompromissvorschlag machen zu können. Bei der Frage zu Sanktionen gegen Russland hätten beispielsweise Polen und Italien vor dem Treffen der EU-Außenminister und des Europäischen Rates zusammenkommen können, um divergierende Meinungen zu besprechen und eine gemeinsame Position zu finden.

 

 

 

 

Troisième séminaire du Dialogue d'avenir franco-allemand 2014 à Florence

Quel est l'état des relations entre la France, l'Allemagne et l'Italie ? Quelles sont les positions de ces trois pays concernant les migrations intra-européennes ? Quels sont les défis auxquels sont confrontées la politique industrielle de la France, de l'Allemagne et de l'Italie ? Ces sujets ont été discutés par les vingts participants allemands et français réunis lors d'un séminaire de quatre jours qui s'est tenu à Florence. Lors d'une excursion à Greve au Chianti, les participants ont pu en apprendre davantage sur la culture viticole italienne.

Durant la dernière journée du séminaire, les participants ont discuté avec dix jeunes actifs italiens de la politique européenne d'asile, de la crise de la zone euro et de la politique d'austérité.

 

 

 

 

Die Wunden des Weltkrieges

Ein Besuch in Verdun 

von Leo Klimm

 

Junge Deutsche und Franzosen haben eine sehr verschiedene Wahrnehmung des Ersten Weltkrieges. Ein gemeinsamer Besuch des Schlachtfelds von Verdun lässt einige von ihnen jedoch dasselbe empfinden: die Pflicht, eine gemeinsame Zukunft zu gestalten. 

 

 

Mélanie Voin war schon öfter in Verdun. Aber es ist das erste Mal, dass die junge Französin zusammen mit Deutschen an jenen Ort kommt, an dem im Ersten Weltkrieg mehr als 300.000 Soldaten aus beiden Ländern ihr Leben ließen. „In einer binationalen Gruppe hier zu sein“, sagt sie, „verändert den Blick auf Verdun“. Mehr noch: Es verändert den Blick auf den Ersten Weltkrieg insgesamt – bei Deutschen wie bei Franzosen.

Die junge Unternehmensberaterin Mélanie Voin ist an diesem Tag im Frühjahr 2014 mit dem „Deutsch-französischen Zukunftsdialog“ nach Verdun gereist, einem Förderprogramm der Robert-Bosch-Stiftung für Berufseinsteiger. In der lothringischen Stadt und auf den Anhöhen östlich davon besichtigen die 20 Teilnehmer das, was noch sichtbar ist von der Schlacht. Sie besuchen die unterirdische Zitadelle der Stadt, einst Knotenpunkt der französischen Militärlogistik, und auch das eigentliche Schlachtfeld um das damals heftig umkämpfte Fort Douaumont.

Zwischen Februar und Dezember 1916 gingen hier auf wenigen Quadratkilometern 60 Millionen Geschosse nieder, ohne dass sich der Frontverlauf dadurch wesentlich veränderte. In Verdun – einem Synonym der Katastrophe – vollzog sich die Industrialisierung des Krieges: Flammenwerfer, Giftgas und auf grausame Weise effiziente Mörsergeschütze wie die „Dicke Bertha“ kamen zum Einsatz. Am Himmel tobte der Luftkrieg. Heute ist das Schlachtfeld eine weitläufige Gedenkstätte. Der Lärm der Schlacht, der Verwesungsgeruch der Leichen, das Elend in den Frontstellungen lassen sich nicht erahnen. Am Boden aber sind überall die Bombenkrater und die Reste der Schützengräben zu sehen.

„Mein Urgroßvater hat in diesen Gräben gelegen“, sagt ein französischer Teilnehmer des „Zukunftsdialogs“. Gleich mehrere Franzosen aus der Gruppe wissen von Vorfahren, die hier kämpfen mussten. Die französische Armee setzte damals in einem Rotationssystem fast alle ihre Divisionen in Verdun ein, während auf deutscher Seite fast immer dieselben Einheiten im Feld blieben. Das ist ein Grund, warum die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg in Frankreich bis heute viel stärker ist als in Deutschland. Ein anderer, dass die Westfront auf französischem Boden verlief und dort tiefe Wunden hinterließ. Vor allem aber hält der französische Staat das Gedenken bewusst wach – mit einem Feiertag zum Waffenstillstand 1918 und obligatorischen Klassenfahrten nach Verdun. Bis heute wird das für Frankreich am Ende siegreiche Gemetzel „la Grande Guerre“ genannt, „der Große Krieg“. Den jungen Deutschen aus der Gruppe mutet das merkwürdig an. Den jungen Franzosen zunehmend auch.

Von den deutschen Teilnehmern weiß keiner, ob einer seiner Urgroßväter in den Schützengräben von Verdun lag – obwohl der Ort genauso zu ihrer Geschichte gehört wie zu der der französischen Partner. „Bei uns ist alles überlagert vom Zweiten Weltkrieg“, sagt ein Deutscher. „In unseren Familien wurde kaum etwas überliefert, und wir nehmen den Ersten Weltkrieg auch nur durch das Prisma des Zweiten wahr. Das wird einem hier bewusst.“

Bei allen Unterschieden zeigt sich, dass sich die Wahrnehmungen junger Deutscher und Franzosen annähern: Die lange umstrittene Frage etwa, wer eigentlich schuld ist am Krieg – sie interessiert im „Zukunftsdialog“ an diesem Tag nicht mehr. Beide Seiten empfinden in Verdun vor allem eine Pflicht, das gemeinsame Europa zu gestalten.

Die Gruppe besucht den Soldatenfriedhof, auf dem in langen Reihen weiße Kreuze stehen, und das Beinhaus von Douaumont. In der monumentalen Gedenkstätte sind die Überreste von 130.000 Soldaten aufbewahrt. Anfang 2014, fast ein Jahrhundert nach Ausbruch des Kriegs, ist hier zum ersten Mal der Name eines deutschen Soldaten in das Gemäuer eingraviert worden: Peter Freundl, gefallen im Mai 1916, im Alter von 21 Jahren.

Die Besichtigung endet in Fleury, einem in der Schlacht ausgelöschten Dorf. Kleine Stelen zeigen an, wo die Bauern, der Bäcker oder der Schmied ihre Häuser hatten. Heute sind dort Krater, um die herum Bäume wachsen. Durch die Bäume scheint die Abendsonne, Vögel singen. Alles ist friedlich.